"Alles ist ein Element des einen Seins, des kosmisches Spiel, dem wir den Namen Gott gegeben haben. Der Benediktiner und Zen-Meister Willigis Jäger spannt seinen Gottesbegriff so weit, dass auch "das Böse" Platz darin findet.
Seine Gedanken lassen den engen Rahmen von Konfession und Moral weit hinter sich, da er sich dem Phänomen des Bösen auf spirituellem Wege nähert.
Gott ist das "Gute" und das "Böse" zusammengefasst als Einheit, so Jäger, und da unser Zeitalter geprägt ist von einem Denken, das nur in Gut und Böse unterscheidet, fällt es schwer, das Eine als Teil des Ganzen zu betrachten. Kapseln wir "das Böse" ab von dem "Ganzen", wird es absolut und nur noch zur Legimitation von Gewalt genutzt. Jäger appelliert deshalb: "Auf dem spirituellen Weg erwächst dem Menschen die Ethik nicht aus Vorsätzen und Willensappellen, sondern aus der Erfahrung der Einheit."