Wie die Forschungen zum autobiographischen Gedächtnis zeigen, verfügen Menschen in ihrem vor- und unbewussten Bereich über viel mehr an Kompetenzen, als ihnen bewusst ist. Dies gilt auch, wenn jemand lange an unerwünschten Erlebnisprozessen gelitten hat und dies bisher noch nicht hilfreich verändern konnte. Gerade, wenn jemand an Symptomen leidet, bedeutet das, dass ungewünschte unwillkürliche Prozesse sein Erleben dominieren und dann der Zugang zu solchen Kompetenzen leider meist noch mehr blockiert wird. Man erlebt sich dann oft auf bewusst-willentlicher Ebene als inkompetent und der Komplexität der Situationen relativ hilflos ausgeliefert. Wir brauchen also systematische Strategien, mit denen man auch ganz gezielt bewusst solche unwillkürlichen Prozesse in hilfreicher Weise beeinflussen kann und die im Unbewussten "schlummernden" Kompetenzen reaktivieren kann.. Genau dies bieten in vielfältiger Weise Strategien der Hypnosystemik und der Hypnotherapie.
Dabei ist wichtig: Die Ergebnisse der modernen Hirnforschung zeigen eindeutig, dass jede (Fremd-) Hypnose immer nur wirkt, wenn sie zu einer effektiven Selbsthypnose wird. Denn Erleben wir ja immer autonom von innen heraus autopoietisch (in Selbsterzeugung) gestaltet. Dies bedeutet auch, dass jede erfolgreiche hypnotische Erfahrung immer auf die Eigenkompetenz der KlientInnen in einer solchen Kooperation zurückzuführen ist. Mit hypnosystemischen Konzepten kann man klar zeigen, dass jedes Erleben (auch jedes Alltagserleben), im Grunde genau so gestaltet wird wie eine Selbsthypnose. Man hypnotisiert sich also ohnehin quasi den ganzen Tag durch die Gegend.
Dann liegt logisch sehr nahe, dass man gleich so intensiv und umfassend als möglich Methoden der Selbsthypnose vermittelt, d. h. Methoden, mit denen man selbst systematisch seine unwillkürlichen Erlebnisprozesse zielgerichtet in die gewünschte Richtung beeinflusst und sie entsprechend gestaltet. Dabei geht es keineswegs nur um Entspannung, sondern um den maßgeschneiderten Aufbau des Kontext-angemessenen, zieldienlichen Erlebens, also kann es um ganz unterschiedliche Erlebnis-Prozesse gehen, je nachdem, was jemand als gewünschtes Erleben anstrebt.
Im Seminar werden viele hilfreiche Strategien vermittelt, mit denen man dies selbstwirksam erfolgreich gestalten kann. So wird u. a. vermittelt, wie man
- belastendes, leidvolles Erleben wirksam auf befreienden Abstand bringen kann;
- Erlebnis-Positionen aufbauen kann, welche Erleben von Schutz, Sicherheit, Überblick, zieldienliche Handlungsfähigkeit verbunden mit stimmigem Kontaktverhalten ermöglichen kann;
- die hilfreichen, Lösungs-förderlichen "schlummernden" Kompetenzen nachhaltig wirksam reaktivieren kann;
- auch auf sehr belastende, leidvolle "Auslöse-Reize", Situationen, Symptom-Prozesse usw. so reagieren kann, dass sie nutzbar werden für die Entwicklung hilfreichen Erlebens (Utilisation);
- die unbewusste Kompetenz und Klugheit von Problem-Prozessen verstehbar machen kann als anerkennenswerte Lösungsstrategien und oft auch als Loyalitätsleistungen in (damals) schwierigen Kontexten;
- würdigende, Kraft gebende Dialoge aufbauen kann mit der Weisheit des unwillkürlichen, intuiven Körper-Wissens.