Menschen brechen "plötzlich" den Kontakt zu Personen des Herkunftssystems ab - ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung (denken die "Zurückgelassenen"). Menschen brechen "endlich" den Kontakt ab zu Personen des Herkunftssystems - nachdem keine von allen versuchten Interventionen genutzt zu haben scheint (denken die "Abbrecher").
Was ist im therapeutischen Setting möglich, wenn Konflikte zwar in gemeinsam erlebter Zeit entstehen, aber erst in unterschiedlichen Zeitebenen kommuniziert werden können? Für den/die einen wäre die Beratung vor dem Abbruch sinnvoll gewesen, und die Fragen beschäftigen sich damit, was in Menschen vorgeht, die ihre einzige "Rettung" in einem Kontaktabbruch sehen? Was ist dem voraus gegangen und was hat eine Kommunikation darüber verhindert?
Für den/die anderen entsteht der Bedarf erst danach und die Fragen beschäftigen sich damit, was in Menschen vorgeht, die "zurück gelassen" werden ohne Erklärung, ohne Ankündigung? Wie gehen sie mit der Gegenwart um?
Wie ist eine Therapie/Beratung in parallel anmutenden Welten möglich? Der Ausgangspunkt ist das "Jetzt": mit den einen geht die systemische Arbeit in die Vergangenheit, mit den anderen in die Zukunft. Die Herausforderung besteht in der Entwicklung einer gemeinsamen Zeitebene: jeder hat recht in seiner Sichtweise und seinem Erleben.
Was braucht es, um von den verschiedenen Zeitebenen auf eine neue gemeinsame zu kommen?